Religionsgemeinschaft des Islam
Landesverband Baden-Württemberg e.V.

 

Unsere Themen: Islam - Interreligiöser Dialog - Projekte - Informationen über Muslime in Deutschland/Baden-Württemberg

 
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Rechtsordnung im Islam
- Ein überfälliges Wort der Klärung -
Rechtsordnung und der Scheria-Begriff
Säkularität
Der Platz der Religion
Vom Maß der Ausgewogenheit zur Selbsterkenntnis
Verhältnis von Religion und moderner Gesellschaft
 
Oh ihr Gläubigen,
tretet ein für Gott,
bezeugt die Gerechtigkeit ...
denn dies ist der Gottesfurcht am Nächsten." 
Sure 5, 8
 

Rechtsordnung und der Scheria-Begriff

Der Mensch hat im Vergleich zu Tieren vielschichtige Bedürfnisse und die Neigung zu schönen Dingen. Da er dies nicht alleine erlangen kann, muss er mit anderen in Verbindung treten. Und da seine Aggression, Instinkte, Intelligenz, seine Antriebskräfte nicht eingezäumt sind, um Übertretungen in Gemeinschaft zu verhindern, brauchen sie Gerechtigkeit. [1]

Die Maßstäbe für Gerechtigkeit wurden von Gott den Menschen stets mitgeteilt und ihnen über die Gottesgesandten verkündet.

Alle Offenbarungen enthielten neben den Glaubensgrundsätzen und dem Gebet in den ethischen Richtlinien auch Vorgaben zur Ordnung des Gemeinschaftslebens, die die Rechte und Pflichten der Menschen in der Gesellschaft aufgriffen und das religiös-kultische wie gesellschaftliche Leben betrafen.

Hierbei spielen zweifelsohne die Bestrebungen der gläubigen Menschen eine Rolle ihre innere Haltung sowie die äußeren Handlungen auf Gott auszurichten.

Äußerst relevant, um hier Fehlinterpretationen und Missbräuche zu erkennen und zu benennen, und bevor wir weiter auf den mit unserem Thema zusammenhängenden Begriff der Scheria eingehen, ist folgende Tatsache:[2]

Die Religion liefert die Grundlagen und Richtlinien. Die Details sind dem Verstand der Menschen überlassen.
Scheria, wie wir sie gemeinhin kennen, ist um die Aktivitäten und die Interaktionen der Menschen in eine Ordnung zu bringen.
Alle Naturmechanismen sind Scheria, „Gesetze Gottes“, von Gott gesetzte Regeln.
Die Natur ist die Kunst Gottes und şeriati-fitriye, die Scheria der Schöpfung.
Die islamische Scheria beruht auf Logik und Weisheit, beinhaltet alle Bereiche der Wissenschaften von den geistigen Disziplinen bis zum gesellschaftlichen Leben.
Da Scheria auf den Naturgesetzen fußt bzw. auf den diesbezüglichen Mechanismen und auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen, handelt der Mensch auf die Gesellschaft bezogen immer nach der Scheria.
Wenn er wider die Natur, wider den Naturgesetzen handelt, d.h. physikalische, psychologische und soziale Mechanismen ignoriert, gelangt er in eine Sackgasse und es misslingt ihm.

In unserer Zeit und Region, in der Totalitarismen nicht mehr die Menschheit bestimmen, handelt die menschliche Intelligenz vom Individuum bis zur Gemeinschaft für die Würde der Schöpfung.

Wie aus all dem abzuleiten ist, ist Scheria die Harmonie der Schöpfung. Sie fußt auf Gerechtigkeit, die wiederum Freiheit und Wohlergehen impliziert. In hoch entwickelten, freiheitlichen Gesellschaften ist die Scheria am weitesten gediehen.

Aus der Erfahrung der Menschheit und der Synthese der Gebote gelang der Fortschritt der Völker. Das best entwickelte, fortschrittlichste Land ist das, in dem die Ideale der Menschen wie Sicherheit, Gerechtigkeit, Freiheit, Wohlstand allgemein anerkannt sind, dort herrscht Scheria. D. h. westliche Staaten mit ihren freiheitlich-demokratischen Staatsystemen sind der Scheria am nächsten.  

Scheria bedeutet wörtlich große breite Straße, der Weg, der zur Quelle führt. Es ist der Weg der Religion, der Weg, der zu Gott führt, die goldene Rechtleitung, Richtschnur (Ideal) für den Einzelnen, für Verstand und Gewissen.

„Scheria, der Weg der Religion, besteht zu 99 % aus Ethik, Gebet, Jenseits und Tugendhaftigkeit. Nur 1 % ist Rechtsordnung und diese ist die Sache des Staates.“[3] – Das ist ein Resümee, das die Relation der einzelnen Bereiche des religiösen Weges zueinander aufzeigt und somit deren Gewichtung in der Religion.

Durch die Extremisten und ihrer totalitären rückständigen Regime, die den Islam als Legitimation für ihr korruptes reaktionäres System gebrauchen und als Scheriarecht bezeichnen etc., und so die Scheria diskreditieren und mit Füßen treten, ist Scheria zum Synonym für Mittelalter, Düsternis, restriktive drakonische Strafjustiz, Antidemokratie, Antimoderne geworden.

Scheriagemäß und scheriakonform heißt jedoch Rechtsstaatlichkeit! Sie ist die Gewährung und Gewährleistung von Freiheit und Sicherheit des Einzelnen in der Gesellschaft.

„Wir haben den Sinn und das Ziel der Scheria nicht begriffen“ wurde schon von vor hundert Jahren als eine der Ursachen für Rückständigkeit in Wissenschaft, Unterentwicklung und Unheil muslimischer Regionen konstatiert.

Wegen der Unwissenheit und Verwirrung um diese Dinge, die wir unter den Muslimen erleben, orientierungslos in den Nebensächlichkeiten der Religion, in ihrem rudimentären Religionswissen, in dem die Einheit und Verbundenheit von Vernunft, Wissenschaft und Religion verloren ging, hat sich Fanatismus und Extremismus in der Religion breit gemacht.

Die so genannten Fundamentalisten und Islamisten, das sind die, die die Religion pervertieren. Es sind von Unfähigkeit, Ohnmacht und Selbstzweifel beherrschte Menschen - voller Zweifel im Glauben, ohne Vertrauen auf Gott. Es sind die, die meinen eine starke Hand über allem brächte das Glück und die Ordnung, sowohl privat für sich und das eigene Familienleben als auch gesellschaftlich. Das sind die, die Unterdrückung mit Freiheit verwechseln.[4]

Dabei ist der Koran eindeutig. Z.B. besagt Sure 2, 44-46:

„Wollt ihr denn den Menschen die Frömmigkeit gebieten und dabei euch selbst vergessen, wo ihr doch das Buch verlest? Habt ihr denn keinen Verstand? Und sucht Hilfe in der Geduld und im Gebet. Und das ist ja schwer, außer für die Demütigen, die damit rechnen, dass sie ihrem Herrn begegnen und dass sie zu Ihm zurückkehren werden.“

In der hiesigen Fachliteratur findet sich zu diesem Thema folgende Wertung:

„In der jüngst wieder heftig geführten Diskussion um ihre Anwendung ist weiterhin zu beachten, dass neben der scharî’a immer schon – z.B. im Bereich von Handel und Gewerbe – ein Gewohnheitsrecht bestanden hat. Hinzu kommt jenes Recht, das die Herrscher – etwa bei allen Angelegenheiten der Staatssicherheit – seit alters selbst gesprochen haben. Wenn also Islamisten neuerdings so heftig die „Wiedereinführung“ der scharî’a als allgemein gültigen Rechtsmaßstab fordern, verlangen sie etwas, das es im Islam bisher noch gar nie gegeben hat. Abgesehen davon verstehen sie unter einer Re-Islamisierung der Jurisprudenz oft in extremer Verkürzung nur eine oberflächliche, wenn auch um so rigorosere Anpassung in symbolträchtigen und publikumswirksamen Einzelaspekten wie dem Auspeitschen oder der Verschleierung, weil sie mit der außerordentlichen Kompliziertheit und Komplexität der scharî’a insgesamt und ihrer hohen juristischen Qualität überhaupt nicht vertraut sind.“[5]

            

Säkularität

Den Begriff der Säkularität, der Trennung von Staat und Religion, gilt es in dem Zusammenhang ebenfalls zu klären. Säkularisierung, Säkularisation sind aus der Geschichte der Kirche und der hiesigen gesellschaftlichen Entwicklung hervorgegangene Begriffe, die die Emanzipation von Kirche und Religion, die Abschaffung der Bevormundung durch Kirche und Klerus beschreibt. Nun gab und gibt es im Islam diese hierarchische Organisation wie sie im Christlichen die Kirche darstellt mit ihrer immensen weltlichen Macht, die sie ausübte, nicht. Obwohl also die Ausgangslage im Islam und seine geschichtliche Entwicklung ganz anders sind, stülpt man diese Begriffe dem Islam und den Muslimen über.

Man ignoriert und übersieht:

Das Wesen des Islam ist säkular. Nur in Säkularität kann Glaube frei bekannt und ausgelebt werden. Jeder Muslim, der sich zu seiner Religion bekennt, der um seine Religion weiß, kann nicht gegen Säkularität sein. Er muss sich zur Säkularität bekennen und helfen diese auszubauen.

Den Grundfehler, den man vielfach auch bewusst begeht, ist:

Man setzt Fundamentalismus, Islamismus, die Politisierung der Religion, mit Islam gleich.

Umgekehrt missverstehen Muslime vielfach Säkularisierungsforderungen als allgemeiner Angriff auf die Religion, mit Forderungen nach dem Ablegen von Glauben, mit Entfremdung von Gott und Glauben, mit einem Hin zu Atheismus. 

Säkularisierung hat nichts mit Unterdrückung der Religion noch mit Beschränkung von Religionsfreiheit zu tun, sondern mit Gewährleistung von Freiheit und Sicherheit für Gläubige und Nichtgläubige.

Viele sind sich gar nicht bewusst, dass es gar keine Basis für diese Auseinandersetzungen gibt. Es ist eine Kontroverse auf einer Pseudobasis.

Den Kontext der Geschichte und der Entwicklungen nicht kennen bzw. ignorieren und eigene Vermutungen auf andere als Fakt übertragen ist ein schwerwiegender Fehler.

Zur Veranschaulichung:

Wenn angesichts des Islamismus solche Überlegungen angestellt werden wie: „Was ist, wenn eine Religionsgemeinschaft mit bestimmten Grundsätzen der staatlichen Rechtsordnung nicht übereinstimmt, sie unter Umständen sogar als verderblich betrachtet?“ und in der Antwort Toleranz gegenüber Intoleranz mit Religionsfreiheit begründet wird,[6] setzt man damit nicht Islam mit dem Islamismus gleich und spricht ihm im Grunde Freiheits- und Gerechtigkeitsideale ab, die man selber gerade erst gefunden hat?

Derartige Indifferenz ist Anmaßung. Islam muss von diesen Erscheinungsformen des Islamismus, der Politisierung der Religion, dem Missbrauch als theokratische Staatsdoktrin oder eines religiösen Totalitarismus unterschieden werden.

Der erste Schritt dorthin ist die Ursachen für diesen Extremismus zu ergründen. Dabei ist die Entfremdung von der eigenen Religion wie schon mehrfach angedeutet eine der Hauptursachen, wie auch die über die Jahrhunderte entstandenen Verkrustungen und Willkürherrschaften, die Kolonialisierung und das mit allem einhergehende soziale Elend und der Verlust an Freiheit und Selbstbestimmung der Menschen.

Abhilfe suchen die Menschen in der Religion, als einem scheinbar alternativen System, als illusorische Fluchtstätte, da ja Religion Hort der Gerechtigkeit und Menschlichkeit ist.

Die mit reduzierten Sichtweisen unter dem Druck des Kalten Krieges und der Kolonialzeit erwachsene Kriegs- und Staatstheologie, für die gewisse islamistische „Reformtheologen“ (wie z B. Sayyid Qutb, Maududi) stehen, darf nicht zur verallgemeinerten Theologie des Islam heranwachsen. Das Ursprüngliche und Eigentliche muss an die Stelle treten.

 

Der Platz der Religion

Der Thron und Sitz der Religion ist das Gewissen. Religion ist Ratschlag Gottes an die denkenden Menschen. Religion ist Ideal. Gott ist Ratgeber.[7] Gebote können daher nicht Gesetz sein. Als eisernes Gesetz kann man die Ratschläge Gottes nur für sich selber nehmen.

Da die Gebote als Richtschnur für das Gewissen dienen, ist es Zweckentfremdung sie zum Gesetz zu deklarieren, das als Schwert über den Köpfen der Menschen droht. Damit verstößt man gegen das Gebot der Freiheit und Freiwilligkeit.

Wenn Religion vom Glauben zu Politik umfunktioniert wird, setzt man sie von einer edlen Instanz zu Banalem herab. Religion wird mit allen Unzulänglichkeiten der Menschen in Verbindung gebracht und somit diskreditiert.

Der größte Bruch, den man der Religion antun kann, ist die Einspannung der Religion für irgendwelche Machtziele, was folglich ein eklatanter Verstoß gegen die Grundgebote der Religion darstellt. Und bedeutet das nicht „Die Zeichen Gottes für einen geringen Preis verkaufen“ (z.B. Sure 3,187. 199 und vergl. Sure 57,20).

Religion ist das heilige Besitztum eines jeden, d.h. Religion ist Gemeingut von allen. Mit ihr jedoch politische Konzepte oder äußere Ziele begründen, hieße, dass man aufgrund eigener politischer Meinung Religiosität der anderen in Frage stellt. Man sieht die eigenen Parteigänger als die besseren Gläubigen an. Solche arrogante Einstellung und Handhabe der Religion bewirkt eine Provokation gegenüber anderen und zieht Gegnerschaft auf die Religion und antireligiöse Einstellungen nach sich und damit eine Herabminderung der Religion.

Mit dieser separierenden Art erweist man der Religion keinen Dienst.

Da es so ist und der Inhalt und Auftrag der Religion ein Anderer ist, ist der Gebrauch der Religion für eine Staatsideologie und als politisches System zum Scheitern verurteilt.

Die Gebote sind Hilfsmittel den Gerechtigkeitssinn zu schärfen und das Barmherzigkeitsempfinden zu mehren.

Den größten Respekt und Geltung wird den Geboten zuteil, wenn die gläubigen Menschen selber diese Gebote beherzigen und verinnerlichen und nicht durch irgendeine sonst wie geartete Macht zu diesen Geboten zwingen.

Andererseits politisieren manche Leute ihren Atheismus. Ihr Atheismus ist Mittel zum Zweck andere mit Rückständigkeit und Politisierung der Religion zu bezichtigen.

Das sind Aspekte, die im Spannungsfeld der Diskussion um Säkularismus und Laizismus ihre Rolle spielen. Deshalb gibt es auch Kritisches zum Laizismus anzumerken wie Folgendes:

„… Auch ist kritisch zu fragen, ob der Laizismus wirklich größte Freiheit eröffnet und nicht vielmehr „kupierte Gleichheit anstelle optimierter Freiheit“[8]

Zum Thema existieren viele Abhandlungen. Der ursprüngliche Gedanke war den Missbrauch der Religion zu verhindern. Es gelte, wie in der Deklaration der Menschenrechte und  in den meisten Verfassungen der Länder manifestiert, dass Religion und das Religiöse nicht diskreditiert bzw. diskriminiert werden darf.  

 

Vom Maß der Ausgewogenheit zur Selbsterkenntnis

Beobachtet man die Reaktionen der Menschen, stellt man fest:

„Die Übertreibung in religiösen Dingen gebiert Überdruss bei den einen und Fanatismus bei den anderen.“

Es lässt die Schlussfolgerung zu, dass die Glaubensdinge sehr viel an Mittelmaß erfordern.

Die Ausgewogenheit ist Produkt der Ganzheit des Individuums. Ohne die sechs Grundelemente des Ichs, Courage, Weisheit, Liebe, Vernunft, dem Sinn für das Rechte, dem Bewusstsein für das Transzendentale, lässt sie sich nicht erschließen.

Solche Reife und damit Selbsterkenntnis führt zu Gotteserkenntnis und das ist der schwerste Weg.

Die Herausforderung für alle heißt vielseitige Bildung und Schulung des Geistes.

Hierin kann uns der Hadis: „Der Schlaf der Weisen ist mehr (wert) als das Gebet der Ignoranten.“[9] ein Anstoß sein.       

Der Auftrag der Religion ist, dass wir Gott finden, die Förderung der Intelligenz, Weisheit und Liebe. Alles was diametral zu diesem läuft, ist gegen die Religion.

 

Verhältnis von Religion und moderner Gesellschaft

In dieser Gesellschaft hat sich die These oder Vorstellung verbreitet von wegen „Den Islam gibt es nicht.” Damit wollte man in gut gemeinter Weise auf ein differenziertes Wahrnehmen des Islam und der Muslime hinarbeiten.

Vom islamischem Selbstverständnis her aber ist zu sagen:

Es gibt nur einen Islam, aber dieser ist nicht gekommen um die Menschen zu uniformieren - sondern um sie zum Glauben, zur Erkenntnis des einen Gottes zu führen, um Liebe, Respekt, Barmherzigkeitsempfinden und Gerechtigkeit für die Menschen zu bringen. Was die einzelnen Völker davon verinnerlicht haben, welche Traditionen und Sitten sich mehr oder weniger aufgrund der Religion ausgeprägt haben, ist so vielfältig wie es Völker und Menschen gibt.

Das ist abhängig von vielen Faktoren, von den Lebensumständen, den ökologischen und ökonomischen Gegebenheiten, von politischen Verhältnissen, vom Bildungsstand, der jeweils eigenen Religiosität und vielem mehr.

Nach außen hin präsentieren sich uns diese Unterschiede z.B. in der Architektur, der Mentalität, der jeweiligen Kultur etc.

Wie sich die Muslime und ihr Leben hierzulande und in Europa in ihrer Eigenständigkeit entwickeln und sich das dann nach außen hin präsentiert, wird auch ganz anders sein wie z.B. in Saudi Arabien oder Ägypten oder der Türkei. Ganz sicher werden wir hier nie saudiarabische Verhältnisse haben. Es ist und wird ein ‘Deutscher bzw. Europäischer Islam’ sein, wenn man sich hierbei dieser Schlagwörter bedienen möchte.                

Religion und Tradition sind verschiedene Dinge. Es gibt Sitten, Traditionen, Gewohnheiten, die man mit Religion rechtfertigt. Dabei kann es auch einiges geben, das im Widerspruch zur Religion praktiziert wird. Sitten, Traditionen, Rollenbilder, Aufgabenteilungen ändern sich. Das ist wiederum abhängig von den Lebensumständen und vielen Gegebenheiten und nicht zuletzt vom Bedarf in der Gesellschaft.

Religion liefert selbstverständlich einen Rahmen, einen ethischen Maßstab (z.B. gegenseitiger Respekt, Respekt und Liebe der Kinder gegenüber den Eltern , ...) Sie führt den Menschen ein Ideal vor, den nur sie mit Leben füllen können. Die Gesellschaft ist ständig im Wandel zur modernen Gesellschaft. Bedarfs- und Zielformulierungen zur Weiterentwicklung, der beste Weg entwickelt sich in einer dynamischen Synthese. Was die Religion dabei anbetrifft, so steht Religion und moderne Gesellschaft bzw. der Bedarf einer modernen Gesellschaft nicht im Widerspruch.

Für eine humane, zivilisierte, gerechte, soziale Gesellschaft sind ethische Werte und Religion, die motiviert sie anzuwenden, unentbehrlich. Dabei kann es niemals sein, dass wahre Religion die Unterdrückung oder Benachteiligung des einen oder anderen aufgrund des Geschlechts, der Herkunft usw. propagiert.

Die Antworten auf die Fragen der Zeit ist eine der Anforderungen an die Religion, mit denen sie zur Entwicklung und der Verständniskultur beiträgt.
Die enorme Zunahme des Wissens schlägt sich in allen Bereichen nieder. Die Sprachfähigkeit der Religion muss Schritt halten, damit die Menschen Nahrung für ihre Spiritualität finden.
 
09.06.2005
RG des Islam LV BaWü

[1] Nursi, S., İşârâtü’l-İ’câz S. 1215

[2] Nursi, S., İşârâtü’l-İ’câz S. 1228

[3] Nursi, S., Tarihci Hayat S. 59

[4] Nursi, S., Münasarat S. 1955

[5] Weiss, Walter M., Schnellkurs Islam, DuMont Buchverlag 1999, S.42/43

[6] vergl. z.B. Mensnik D., Religion und Politik,  in: Themenheft 2005 S. 17, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Deutscher Koordinationsrat e.V.,; Böckenförde, E.-W., Religion in säkularen Staat, a.a.O, 432

[7] vergl. z.B. Sure 80, 11-12; 38,29; 76,29; 73, 19

[8] Leicht, Robert, Störfaktor Religion, in: Die Zeit Nr. 16/2004

[9] Keşfül-Hafâ 2:286

 

 

 

»O ihr Menschen, Wir haben euch als Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen möchtet. Wahrlich, der Angesehenste von euch ist vor Gott der, der unter euch der Gerechteste (Gottes-fürchtigste) ist. «

Worte Gottes
Koran Sure 49, 13

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
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