Religionsgemeinschaft des Islam
Landesverband Baden-Württemberg e.V.

 

Unsere Themen: Islam - Interreligiöser Dialog - Projekte - Informationen über Muslime in Deutschland/Baden-Württemberg

 
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Signal für Integration
Konkrete Schritte zum islamischen Religionsunterricht
 
 
Öffentliche Anhörung
Donnerstag 02.12.2004
Landtag von Baden-Württemberg, Plenarsaal

Statement der Religionsgemeinschaft des Islam Landesverband Baden-Württemberg

Die seit dem 12. April 2000 von Frau Ministerin Anette Schavan konstituierte Steuerungsgruppe hat im Rahmen der dort Vertretenen das geleistet was sie kann und was aufgrund ihrer Zusammensetzung möglich war.

Was an Resultaten, Erkenntnissen und Erfahrungen aus unserer Arbeit da ist, und aufgrund der Erfahrungen von anderswo - darauf muss jetzt endlich die Politik reagieren, sich entsprechend öffnen und pragmatische Schritte wie weiter zu verfahren ist gehen und nicht auf der Stelle treten wie sie es seit geraumer Zeit tut und was wir sehr beklagen.

Schon unter Kultusminister Maier-Vorfelder haben wir uns in Sachen islamischer Religionsunterricht bemüht. Unter Kultusministerin Frau Schulz-Hektor reichten wir unseren ersten Antrag ein und führten Gespräche mit ihr, und nun unter Frau Schavan geht die nächste Ära vorbei, ohne dass sich hier in Baden-Württemberg im Grunde etwas bewegt hätte. 

Was ich auch schon vor fünf Jahren hier gesagt habe, um auf die Notwendigkeit der religiösen Aufklärung für muslimische Kinder hinzuweisen und um einen eindringlichen Appell an die Politik zu richten, gilt immer noch, dass es doch so nicht weitergehen kann. Man hat kein Recht sich über mangelnde Integration zu beklagen, über Abgrenzungstendenzen, über religiösen Extremismus, über mangelnde Deutschkenntnisse von Imamen, wenn man dagegen nichts getan hat bzw. mit der eigenen Politik es soweit ja selber nicht anders gewollt und so mitgetragen und mitverursacht hat.

Integration ist kein Selbstläufer. Religiöse Aufklärung muslimischer Kinder, die Bildung einer Repräsentationsinstanz der Muslime und Elterninformation passiert nicht von alleine. Wenn hier nicht der Staat und die Politik unterstützend und in die richtige Richtung lenkend tätig wird, wer soll es dann?

Die deutsche Gesellschaft und Politik hält es in der Hand über wen oder was sich die 90 % unorganisierter Muslime organisieren sollen.

Soll hier die deutsche Gesellschaft und Politik weiter Zurückhaltung üben im Sinne dieser „Selbstläuferpolitik“ von wegen: „Die notwendige innerislamische Diskussion dürfen wir nicht überspringen.“ (Schavan) 

Dies geht voll am Handlungsbedarf vorbei.

Die Muslime, der Islam sind keine Kirche. Die Kirchen haben hier ihren verfassungsrechtlichen Status mit verankerten Strukturen.

Aber dieses auf die Muslime übertragene Argument „Der Staat habe seine Neutralität zu wahren“ hat bis jetzt nur dazu geführt und dazu gedient in Sachen islamischer RU nichts zu tun.

Für uns stellt sich das so dar: Dass präventiv gegen isl. Extremismus Aufklärung gesetzt wird, das passiert nicht, das sei gegen die staatliche Neutralitätspflicht,  aber staatliche Razzien in Moscheen - da darf der Staat seine Macht zeigen.

Damit aber ändert man extremistische, antidemokratische, verfassungsfeindliche, gesellschaftsfeindliche Einstellungen nicht, sondern bringt nur mehr die Menschen gegen sich auf. Und mit Gesetzen und Verboten lässt sich auch eine Mentalität oder eine religiöse Überzeugung nicht ändern.

Eine Überzeugung kann nur mit einer anderen Überzeugung bekämpft werden.

Wenn Extremismus, Feindbilder und Vorbehalte sich mit Religion begründen, kann man nur durch Aufklärung und den Argumenten der Religion dem die Basis entziehen.

Für die angesprochene „innerislamische Diskussion“ brauchen wir auch öffentliche Plattformen und keine dumpfen Machtdemonstrationen des Staates.

Wie sonst soll und kann die Anwendung einer modernen und zeitgemäßen Auslegung des Korans für europäische bzw. deutsche Verhältnisse forciert werden.

Der authentische Islam ist nicht der Islamismus. Und nur weil man nichts über Islam weiß, oder ihn undifferenziert wahrnimmt und mit ihm mit vielen Vorbehalten umgeht, heißt das nicht, dass wir Islam neu erfinden müssen.

Im Koran werden Gottgläubige und Angehörige des Buches (Andersgläubige) als Gläubige anerkannt, was sehr wichtig im Zusammenleben ist. Das haben  wir z.B. in der Lehrplaneinheit „Die an Gott glauben werden nicht traurig sein“ zum Ausdruck gebracht.

Der Islam steht im vollen Konsens zu den elementaren Menschenrechten, zur Gleichstellung der Menschen und der Geschlechter und dazu bekennen wir uns.

Entsprechend spiegeln das unsere Lehrplaninhalte wieder.

Im islamischen Religionsunterricht geht es nicht um Missionierung, und nicht dass eine einseitige Sichtweise und Strömung vermittelt wird, sondern Orientierungshilfen angeboten und Anstöße gegeben werden um die eigene Meinungsbildung zu fördern.

Man kann einen islamischen RU nur mit Pädagogen, die in der hiesigen Gesellschaft verankert sind und über gute islamisch-theologische Kenntnisse verfügen, durchführen.

Wir haben immer die Problematik der Symbiose von Religion und Politik offen kritisiert. Wir sind absolute Gegner der Politisierung von Religion. Die unter dem Eindruck der Kolonialzeit erwachsene Kriegs- und Staatstheologie, für die gewisse „Reformtheologen“ stehen, muss überwunden werden, und darf nicht zur verallgemeinerten Theologie des Islam heranwachsen.

Die Regeln des Korankommentars zu kennen, darüber die unterschiedliche Gewichtung der Gebote und den Umgang damit kennenzulernen, ist beispielsweise die Grundvoraussetzung um manipulativen Gebrauch,  Missbräuche, Politisierungen, Instrumentalisierungen der Religion, die heutigen wie die in der Geschichte zu erkennen, zu benennen, und zu brandmarken.

Urteilsfähig kann man erst sein, wenn man eine Richtschnur und einen Maßstab hat. Den zu vermitteln, um das geht es, um ein grundsätzliches Verständnis und um eine grundsätzliche  Toleranz.

Die Angelegenheit erfordert sehr große Fachkenntnis und Sensibilität, da wir in einer besonderen Situation sind.

Es gilt einmal die gegenseitigen Vorurteile abzubauen, die muslimischen Kinder religiös zu integrieren und Impulse für ein friedliches harmonisches Zusammenleben aller zu geben.

Unabhängig von Gruppen und Moscheevereinen muss das Angebot eines islamischen RU gemacht werden.

Muslime sind Teil dieser Gesellschaft. Entsprechend hat es uns immer widerstrebt in unserer Haltung von Minderheit oder Mehrheitsgesellschaft zu sprechen, geschweige denn in unseren Bemühungen eine Minderheitenpolitik zu betreiben. Im Integrationsprozess ist diese Sichtweise - Muslime als Teil der Gesellschaft zu begreifen und wahrzunehmen und nicht als Minderheit -, die sich in den Köpfen durchsetzen oder Platz einnehmen muss, ein entscheidender Anfang.

Religionsgemeinschaften sind Teil der Gesellschaft, die die ihnen zufallenden Aufgaben wahrnehmen und sich um die Menschen kümmern.

Die Religionen und jeweiligen Gemeinden sollten mit der Schönheit ihres Glaubens begeistern und die Menschen alle ansprechen.

Keiner hat das Recht, dem anderen Werte abzusprechen, sie auszugrenzen oder sie auch nur in subtiler Form zu diskriminieren.

Die Identifizierung der jungen Leute mit dem Land, wo sie leben, und mit den Leuten, mit denen sie leben, ist wichtig. Das bedarf der Vermittlung und Erfahrung der Idee der solidarischen Lebensgemeinschaft aller über Religionen hinweg.

Vielfach auf Religion bezogene und zurückgeführte Spannungen und Vorfälle haben auch sozial-wirtschaftliche Komponenten, die bei der Überlegung in der Prävention nicht außer acht gelassen werden dürfen.

Wenn wir den jungen Menschen Anerkennung, Akzeptanz und Sicherheit bieten, dass sie nicht angewiesen sind auf irgendwelche Verschwörungscliquen, sondern in der Gesellschaft ihren Platz haben, dann haben wir viel gewonnen.

Religion spielt bei den Einwanderern immer eine große Rolle.

Sie bedeutet eine gewisse Heimat und Sicherheit in ihrem Bewusstsein. Religion ist nicht nur ein sinnstiftender Faktor im Leben der Menschen, sondern auch ein Halt gebender Faktor.

Es bedarf der besonderen Aufmerksamkeit, wer dies vermittelt und wie dies vermittelt wird.    

Die Aufklärung über Religion und Glauben spielt in dem Zusammenhang die wesentliche Rolle. Und die ist nur in einem schulischen Rahmen möglich. Damit verbunden ist auch die Heranbildung von Theologen und islamischen Wissenschaftlern, was auf  alle Fälle zur einer Mäßigung und Versachlichung beiträgt.

Wir halten alle Schritte, die muslimische Kinder etwas näher an eine religiöse, ethische Aufklärung bringen, sei es auch über andere Unterrichtsfächer, über den Ausbau des Fachs Ethik, oder einer islamischen Unterweisung als Zwischenschritt, bzw. Vorstufe zu einem islamischen RU als dringend geboten.

Die Integration der jungen Menschen läuft nur über eine islamisch-religiöse Aufklärung in der Schule. Alles andere ist ineffizient und am Problem vorbei.

Ali Demir
RG des Islam LV BaWü
 
 
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